"Wir feiern auch, wenn wir Zweiter werden"

Fangeschichten Chemnitzer Portugiese traut seinen Landsleuten den großen Sprung zu

Der Portugiese José Daniel kam 1996 aus beruflichen Gründen nach Chemnitz und hat seitdem hier seine neue Heimat gefunden. Er ist aktiv im Interkulturellen Garten auf dem Kaßberg und eine begeisterter Fußballfan. "Ich habe selbst von Kindesbeinen an bis zur Jugend Fußball gespielt und es bis in die Regionalliga geschafft. Das entspricht der vierten Division", sagt Daniel, der damals vor allem seine Stärken in der Defensive hatte und so meist in der Abwehr eingesetzt wurde. In Santarem beheimatet, etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt Lissabon entfernt, war José aber auch im Schulverein im Schwimmen und auf der Mittelstrecke aktiv. "Ich bin seit jeher Sporting-Fan, habe dies von meinem Vater mitbekommen", hat er sich den grün-weißen Farben Lissabons verschrieben. Des Öfteren war er auch als Zuschauer im Stadion, wobei die Derbys gegen Benfica (rot-weiß), die Spiele gegen Porto und natürlich die Europacuppartien mit bis zu 70.000 Zuschauern wahre Fußballfeste gewesen seien. Auch 1994, als die Europameisterschaft in Portugal stattfand und der Gastgeber erst im Endspiel gegen Griechenland unterlag, war Daniel im Stadion. "Wir haben trotzdem gefeiert, denn ein zweiter Platz ist für unser 10-Millionen-Volk ein großer Erfolg. Wir müssen nicht unbedingt immer gewinnen." Sein Lieblingsspieler war einst Luis Figo, doch auch Cristiano Ronaldo sei ein herausragender Spieler und José Mourinho sowieso ein exzellenter Trainer. Doch was traut der Wahl-Chemnitzer seinen Portugiesen bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zu? "Wenn wir die Vorrunde überstehen, können wir es bis ins Halbfinale schaffen", hofft Daniel, dass seine Landsleute den Erfolg von 2012 (EM-Halbfinale) bzw. 2006 (WM-Vierter in Deutschland) wiederholen. Favorit sind für ihn die Brasilianer, zu den die Portugiesen eine besondere Beziehung pflegen. Da fällt schon mal der Begriff Bruderland, da man die gleiche Sprache spreche und viele Brasilianer jetzt in Portugal leben. Auch den Deutschen traut José den Sprung ins Finale zu.