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Diesel teurer als Benzin - das sind die Gründe

Preisschock Erhöhte Nachfrage nach Heizöl katapultiert den Diesel-Preis nach oben

Am Anfang der Corona-Pandemie gab es einen Liter Diesel zeitweise für unter einen Euro - heute nicht mehr vorstellbar. Denn der Krieg in der Ukraine treibt die Spritpreise zurzeit in ungeahnte Höhen. Innerhalb einer Woche machen Benzin und Diesel einen gewaltigen Preissprung - weit über die 2-Euro-Marke. Das Kuriose: Diesel ist normalerweise günstiger als Benzin, seit dieser Woche ist auch das hinfällig. Am Mittwoch pendelte der Dieselpreis pro Liter um 2,30 Euro, Benzin war immerhin bis zu zehn Cent "billiger". Logisch, dass Halter von Dieselfahrzeugen verärgert sind, schließlich werden sie schon bei der Kfz-Steuer stärker zur Kasse gebeten.

Heizöl-Nachfrage wirkt sich auf Diesel aus

"Dass der Anstieg bei Diesel noch größer als bei Benzin ist, erklärt sich aus der verstärkten Nachfrage nach Heizöl", informiert der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). Die Preise von Heizöl und Diesel sind gekoppelt, weil sie in den Raffinerien fast identisch hergestellt werden. "Viele Nutzer befürchten aufgrund des Krieges zwischen Russland und der Ukraine Lieferengpässe und füllen jetzt im Spätwinter - entgegen den sonstigen Gewohnheiten - ihre Tanks." Der Ukraine-Krieg schüre Befürchtungen, dass es zu Lieferausfällen oder sogar zu einem Importstopp von Rohöl aus Russland kommen könnte. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bezog Deutschland im Jahr 2021 rund 34 Prozent seiner Rohölimporte aus der Russischen Föderation.

Bald 3 Euro pro Liter?

Der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap rechnet damit, dass sich die Preis-Situation noch weiter verschärfen wird. "Wenn die Rohölpreise weiter hochgehen, kann der Spritpreis auch bei 2,50 Euro landen", erklärt der Experte gegenüber BILD. Gabriele Widmann, Rohstoffexpertin der Dekabank, spricht im Interview mit RTL sogar von noch höheren Preisen. "Es kann im Extremfall sein, dass wir bis zu drei Euro pro Liter Sprit zahlen müssen", erklärte sie eine mögliche Entwicklung des Spritpreises. Autofahrer müssten sich zudem an die derzeitige Situation gewöhnen: "Wir werden dauerhaft höhere Energiepreise haben, weil die günstige Energie aus Russland jetzt Vergangenheit ist. Wir werden nicht mehr so eng mit Russland zusammenarbeiten - egal, wie sich der Konflikt auflöst." Experten gehen allerdings davon aus, dass Diesel im Verhältnis zum Benzin wieder etwas günstiger wird. Und zwar dann, wenn die Heizöltanks gefüllt sind und es draußen wieder wärmer wird.

ADAC: Kurzfristig Mehrwertsteuer senken

Angesichts der Rekordpreise an den Zapfsäulen und der deutlich gestiegenen Arbeitswegkosten hat der Koalitionsausschuss beschlossen, die Pendlerpauschale rückwirkend zum 1. Januar 2022 ab dem 21. Kilometer auf 38 Cent anzuheben. Ursprünglich sollte das erst 2024 passieren. Darüber hinaus fordert der ADAC zusätzlich kurzfristig wirkende Maßnahmen. So würde eine vorübergehende Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent Benzin und Diesel aktuell um rund 21 Cent je Liter verbilligen. "Die Dimension und das Tempo des Preisanstiegs führen zu einer starken finanziellen Belastung der Menschen. Die geplante Entlastung der Verbraucher im Rahmen der Entfernungspauschale reicht angesichts dieser Entwicklung nicht aus", sagt ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. "Und das von der Koalition geplante Klimageld zur Rückerstattung von Einnahmen aus dem CO2-Preis an jeden Bürger liegt noch nicht einmal konzeptionell vor. Langfristig ist das der richtige Ansatz. Kurzfristig sollte die Bundesregierung eine befristete Mehrwertsteuersenkung auf Kraftstoffe und Heizöl prüfen. Diese könnten unmittelbar wirken und eine breite Entlastungswirkung erzielen."

Einsparpotentiale beim Kraftstoff ergeben sich beispielsweise durch die persönliche Fahrweise, einen Tankstellen-Preisvergleich und der Tageszeit beim Tanken. Hier geht's zum Ratgeber.

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