Wie vor 60 Jahren in Zschopau "Das Wunschauto" entstand

vorführung Defa-Kinderfilm erinnert auf Schloss Wildeck an längst vergangene Zeiten

Zschopau. Fast wäre aus Peter Buschmann ein Schauspieler geworden. Stattdessen erlernte er bei der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) zunächst den Beruf des Hauers für Erzbergbau, ehe er umsattelte und an der Betriebsschule von MZ als Instrukteur für Umwelt und Sport arbeitete. Weil er sich via Fernstudium weiterbildete, konnte er später sogar als Sozialpädagoge am Bildungszentrum Zschopau der Jugend wichtige Tipps geben. "Von 1971 bis 2005 habe ich ausschließlich mit Jugendlichen zusammengearbeitet", sagt der 73-jährige Zschopauer, der dadurch selbst jung blieb und seinen beruflichen Werdegang genoss. Und doch schaute er nun mit Freude und zugleich etwas Wehmut zurück auf jene Tage seiner Kindheit, die ihn beinahe in die Filmbranche gebracht hätten.

Beim Casting erfolgreich

"Das Wunschauto" heißt der Defa-Kinderfilm, der 1960 und 1961 in Zschopau gedreht wurde. Wie heutzutage bei TV-Shows gab es auch damals eine Art Wettbewerb, um für die jeweiligen Rollen die am besten geeigneten Kinder herauszufinden. "Wir mussten Gedichte und andere Texte vortragen. Ich kam in die engere Auswahl - und am Ende waren wir nur noch zu dritt", berichtet der damals 13-Jährige, der sich wie Sabine Günter und Gottfried Fritsche eine der drei Hauptrollen sicherte. In dem Streifen wollte sich dieses Trio nach einem missglückten Seifenkistenrennen aus einem verrotteten Oldtimer ein eigenes "Wunschauto" bauen, doch allein schafften sie es nicht. Erst, als die Klassenkameraden und am Ende sogar die Patenbrigade von MZ eingriffen, führte die in der DDR groß geschriebene Kameradschaft zum Erfolg.

Dialekt erfordert Synchronisation

"Ein schönes Gefühl", sagt Buschmann über die Ehre, in dem Film mitspielen zu dürfen, zumal es "für die ganze Stadt Zschopau ein großes Ereignis war". Monatelang wurde gedreht - sehr zur Freude der drei jungen Hauptdarsteller, die oft schulfrei bekamen. "Weil die Beleuchtungstechnik noch nicht so weit war, wurden wir immer aus dem Unterricht abgeholt, sobald die Sonne schien", erzählt Buschmann. Dass trotz der unzähligen Stunden vor der Kamera am Ende nur ein rund 30-minütiger Film entstand, verwunderte den damaligen Sechstklässler zwar etwas. Auch die Tatsache, dass der erzgebirgische Dialekt von ihm und den anderen Kindern zu einer Synchronisation führten, kam etwas überraschend. Egal: Am 4. November 1961 war die Freude bei der großen Premiere im Zschopauer Filmeck riesig. Auch in vielen anderen Kinosälen sowie 1988 beim 14. Kinderfilmfest in Karl-Marx-Stadt wurde das "Wunschauto" gezeigt, ehe es im Archiv verschwand. Anlässlich des Jubiläums der Deutschen Einheit wurde er nun wieder herausgekramt und im Schloss Wildeck gezeigt.