Größter Abriss der Stadtgeschichte Hainichen

Bau Ehemaliger Saatgut-Speicher soll noch in diesem Jahr weichen

groesster-abriss-der-stadtgeschichte-hainichen
Das rund 40 Meter hohe Gebäude des ehemaligen Saatgut-Speichers in Hainichen soll noch in diesem Jahr aus dem Stadtbild verschwinden. Foto: Uwe Schönberner

Hainichen. Mit einer "Hauruckentscheidung" hat der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung entschieden, das ehemalige Saatgut-Gebäude an der August-Bebel-Straße zu erwerben und die Verwaltung beauftragt, möglichst noch in diesem Jahr für einen Abriss des hässlichen Stahlbeton-Baues zu sorgen.

Seit Jahrzehnten verschandelt dieser reichlich 40 Meter hohe Beton-Klotz das Stadtbild der Gellertstadt. Auch für Hainichens Bürgermeister hat dieser Bau eine besondere Bedeutung. Er erinnert sich: "Meine Bemühungen vor rund zehn Jahren über Bundestagsabgeordnete, zu vermeiden, dass das Saatgut durch den damaligen Besitzer, einer bundeseigenen Treuhandgesellschaft zum Verkauf ausgeschrieben wird, führten letztendlich leider nicht zum Erfolg.

Ganz im Gegenteil - ein Mann aus der Berliner Region, auf den wohl am ehesten der Begriff Glücksritter zutraf, erwarb das Saatgut in einer Zeit, als die Schrottpreise noch sehr hoch waren. Nach unbestätigten Angaben hat er das Saatgut von Schrotthändlern für viel Geld ausschlachten lassen und dafür einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag als Erlös erzielt.

Kinder spielten auf dem Dach des baufälligen Gebäudes

Regelmäßig wurden Personen, darunter auch Kinder, am Dach des über 40 Meter hohen Hauses gesichtet. Insgesamt dürften die Hainichener einen Schutzengel gehabt haben, dass bislang nichts weiter passiert ist. Als "Dank" dafür, dass sich der Immobilienbesitzer sich nicht ums Saatgut kümmerte, erhielt er sogar über mehrere Jahre noch Pachtzahlungen eines Mobilfunkbetreibers, der seine Antenne auf dem Dach des Gebäudes angebracht hatte.

Jetzt konnte der über Jahre untergetauchte Besitzer ausfindig gemacht werden und ist offensichtlich bereit, ohne Vorbedingungen das Areal für einen Euro an die Stadt Hainichen zu verkaufen. Bei einer geschätzten Abrisssumme von 1,1 bis 1,5 Millionen Euro kann Hainichen die Maßnahme nur stemmen, wenn es eine hohe Förderung gibt.

"In diesem Jahr sind 90 Prozent der Gesamtkosten an Förderung möglich", sagte Bauamtsleiter Hartmut Stenker. Den Rest muss die Stadt an Eigenmitteln zuschießen.



Bewerten Sie diesen Artikel:1 Bewertung abgegeben