Studentenwerk redet endlich Klartext über die Mensa und den Spar

Gespräch Über Hintergründe und Übergangslösungen

Anikas Blick auf den Campus

Seit Monaten hagelt es starke Kritik für das Studentenwerk Chemnitz des Student_innenrat (Stura). Am Donnerstag hatte das Studentenwerk Chemnitz zu einer öffentlichen Diskussion in die Sachsenstube in der Mensa geladen. Irgendwie wurde ich, als Studentin, das Gefühl nicht los, dass es hier gar nicht wirklich um die Belange der Studierenden ging…

Was war passiert?

Am 1. April eröffnete die umgebaute Mensa und ging mit neuem Konzept an den Start. Die Mensagäste fürchteten Preiserhöhungen, die sie sich nicht leisten wollen. Außerdem kam es im Sommer zu Vertragsunstimmigkeiten zwischen dem Studentenwerk Chemnitz und dem Lebensmittelmarktbesitzer Armin Fiedler, woraufhin er seinen Nah&Gut-Laden Ende September schloss und ein Nachfolger gesucht wurde. Das Konzept von Oliver Kettler, der am Campus als Copyshopbesitzer bekannt ist, hat überzeugt. Seit rund vier Wochen hat nun sein neuer Spar Express am Campus Reichenhainer Straße geöffnet und sorgte nach der Eröffnung wieder für starke Kritik.

Das erste Kernthema der Diskussion betraf genau diesen neuen Lebensmittelmarkt am Campus. Bereits zwei Tage nach der Eröffnung hatte der Student_innenrat der TU Chemnitz eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der das  Studentenwerk stark kritisierte wurde. Zu stark, wenn es nach dem Studentenwerk ging. "Wir haben uns alle vor den Kopf gestoßen gefühlt", offenbarte Frau Horlitz, Sachgebietsleiterin Soziale Dienste und Kultur des Studentenwerks. Der Stura zerpflückte den Laden: er wäre nicht studierendenfreundlich und die Geschäftsführerin des Studentenwerks, Anja Schönherr, hätte die eingereichten Wünsche  der Studis nicht im Ansatz umgesetzt; die Preise seien zu hoch und es fehle an Platz. Weiterhin kritisieren die Studierenden die Öffnungszeiten, die bis 22 Uhr gewünscht, aber nur bis 20 Uhr umgesetzt wurden, und das fehlende Tiefkühl- sowie Obst- und Gemüsesortiment, was es mittlerweile aber gibt. Marius Hirschfeld, Mitglied des Stura,  bemerkte, dass es sich um "Bahnhofskiosk-Niveau" gehandelt hatte. Mehrfach hatte das Studentenwerk auf ein Gespräch bezüglich der Pressemitteilung mit dem Stura gehofft, was dieser aber ablehnte.

Das Studentenwerk erklärt

Das Studentenwerk wies heute alle Vorwürfe von sich und legte offen dar, welche Kriterien bei der Ausschreibung des Ladens eingeflossen wären: Nachhaltigkeit, ein Bioangebot, die Berücksichtigung von  verschiedenen Warengruppen (Getränke, Pausensnacks, etc.), andere Angebote als in der Mensa und Cafeteria und die Preisgestaltung. Weitere Bedingungen waren, dass der neue Betreiber zuverlässig sein sollte und eine Übergangslösung in acht, anstatt der üblichen 12 bis 16 Wochen realisieren musste. Denn erst im Sommer 2020 wird der finale Markt im Erdgeschoss der Mensa eröffnen; bislang findet sich nur die Übergangslösung im 1. Stock in der ehemaligen Bar Ausgleich, um eine Lebensmittelversorgung bis zum Sommer für die Kunden zu gewährleisten. Anja Schönherr erklärte erneut, dass es sieben Interessenten gab und sich nach all diesen Kriterien noch zwei gegeneinander durchsetzen mussten, "[…] sodass am Ende das beste Ergebnis herauskam".

"Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine Übergangslösung handelt." - Studentenwerk

Oliver Kettler, der neue Betreiber des Lebensmittelgeschäfts, meldete sich in der Diskussion zu Wort und räumte ehrlich und offen einen Fehler ein, der ihm sehr leid tue: "Die empfohlenen Handelspreise, die uns unser Handelspartner zur Verfügung gestellt hat, habe ich nicht überprüft." Er habe bereits zwei Stunden nach der Eröffnung gemerkt, dass etwas nicht stimme und angefangen, 80 bis 90 Prozent der Preise zu senken und neu zu kalkulieren. "Ich in meinem jugendlichen Leichtsinn habe gesagt: ja, wir machen jetzt auf", denn er hatte dem Stura versprochen, in KW 45 zu öffnen. Es war ihm wichtig, das Versprechen zu halten, auch wenn noch nicht alles wirklich fertig war. Viele Kunden hatten sich außerdem gewundert, warum die Regale so klein wären. Auch das hatte Gründe, wie Kettler erklärte. Höher als 1,20 Meter dürfe in dieser Fläche nicht gebaut werden.

Doch ich muss zugeben, dass sich in den letzten Wochen einiges im Laden zum Positiven verändert hat. Es folgten Tiefkühltruhen mit Tiefkühlgemüse, Pizza und Co und auch Obst und Gemüse kann man jetzt zu relativ normalen Preisen erwerben. Demnächst wird es sogar einen Backshop geben, sodass auch wieder Backwaren zur Verfügung stehen.

Punkt 2 der Agenda: Die Mensapreise

Das zweite große Thema des Tages  war die Unzufriedenheit mit den Mensapreisen. Im letzten Winter wurde die Mensa der TU Chemnitz modernisiert und am 1. April neu eröffnet. Die Studierenden und Mitarbeiter fürchteten eine Preiserhöhung. Mensaleiter André Müller erklärte damals in einem Interview mit dem Studierendenradio Unicc: "Eigentlich sollen die Preise gar nicht steigen. Es gibt dann kleine, mittlere und große Portionen. [...] Für die normale Portion sollte es relativ konstant sein. Dasselbe wird natürlich sein, dass, wenn an der Grillstation höherwertige Produkte zum Einsatz kommen, dass das am Ende natürlich etwas teurer sein wird. Aber das, was wir bis jetzt so gekocht haben, diese Gerichte sind relativ konstant und da wird es keine Preiserhöhung geben. […] Wir rechnen auch nicht mit exponentiell großen Warteschlangen." Die Realität war ernüchternd, denn es dauerte nicht lange und die Preise in den einzelnen Kategorien stiegen. Vor allem die Preisunterschiede zwischen der Mensa in der Straße der Nationen (Strana-Mensa) und der Mensa Reichenhainer Straße für gleiche Gerichte sorgten für Frust in der Studierendenschaft. Das Problem wurde augenscheinlich damit gelöst, dass in der Strana-Mensa die Preise auch angehoben wurden. Ein Essen für 1,70 Euro war Seltenheit geworden. Auch hier wollte das Studentenwerk die Entwicklung nachvollziehbar machen und  Thorsten Viertel, Abteilungsleiter Rechnungswesen und Controlling des Studentenwerks, erklärte die Hintergründe: Die Marktpreise würden immer wieder steigen. "Generell können wir uns dem, als Studentenwerk, auch nicht entziehen. Demzufolge müssen wir Preiserhöhungen entsprechend auch kompensieren."

 "Es ist komplexer, als es manchmal aussieht" - Pierre Pätzold

Pierre Pätzold, Abteilungsleiter der Hochschulgastronomie des Studentenwerks, erklärte, dass die Preise seit September im Einkauf um etwa 25 Prozent gestiegen wären und so beispielsweise die Hirtenrolle von 70 Cent auf 95 Cent angehoben wurde. "Wir versuchen die drei Essen (1,3,4) preislich in der Kategorie bis 2,20 Euro abzubilden. Wir können es jetzt gerade bei manchen Essen nicht mehr gewähren. 2,30 Euro ist unser Ziel, 2,40 Euro ist das Maximum, was wir gehen wollen bei den Standardessen." Immer wieder erwähnte die Leitung des Studentenwerks auch, dass sie wirtschaftlich handeln müssten. Neben variablen Kosten wie dem Material (Lebensmittel, Geschirr, etc.) gebe es auch noch die fixen Kosten, wozu zum Beispiel das Gebäude (Instandhaltung, Strom, etc.) und die Beschäftigten gehören. "Der Rechnungshof hat sämtliche Feststellungen fallen lassen, weil er unserer Argumentation gefolgt ist an dieser Stelle. Die Ausweisung der Portionszahl wurde ebenfalls mit Abstimmung des Rechnungshofs vom SMWK aufgegeben, weil die Portionen zunehmend nur noch einen Teil unseres Mensageschäfts abgedeckt haben", begründete Anja Schönherr, Geschäftsführerin des Studentenwerks.

Auf die Nachfrage, warum im Voraus gesagt wurde, es werde sich nichts an den Preisen ändern und nun habe sich doch etwas geändert, wurde Herr Müller in Schutz genommen. Zum damaligen Zeitpunkt sprach er die Wahrheit. Die Preiserhöhung hätte (wie oben erklärt) andere Gründe gehabt.

Die Eröffnung der neuen Mensa hat meiner Meinung nach jedoch auch Vorteile, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Neben dem modernen Aussehen gibt es neues Mobiliar (auch wenn es dadurch weniger Sitzplätze gibt), ein frisch gekochtes Gericht aus dem Wok, eine große Auswahl an Getränken und Desserts und ein veganes beziehungsweise vegetarisches Angebot. Auch kann man endlich mit Bargeld bezahlen, wenn man möchte. Trotzdem sind die Warteschlangen zu den Stoßzeiten länger als vor dem Umbau.

Lob und Kritik

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich fast die ganze Diskussion nur um die Pressemeldung des Stura drehte und dass das Studentenwerk unterschwellig eine Entschuldigung verlangte, was die Diskussion für Unbeteiligte schwierig machte. Immer wieder legte das Studentenwerk dar, sie seien ein Wirtschaftsunternehmen und müssten mit den Marktpreisen gehen und dass natürlich auch der Laden den Zuschlag bekam, der eine gute Miete zahlen konnte. Ist es dann so verwunderlich, dass Kritik von den Studierenden kommt, wenn es um Profit geht und erst an zweiter Stelle um die Wünsche der Studierenden? Herrn Kettler muss ich an dieser Stelle loben, da er wirklich das Beste aus dem Laden herausgeholt hat und weil er so mutig war, seinen Fehler einzugestehen und zu lösen. Auch, weil er nach der Krisenzeit im Sommer -  in der nicht sicher war, wie es mit dem Nah&Gut-Laden weiter geht - so mutig war, einen Markt zu eröffnen. Ich hoffe, dass der Standort in der ersten Etage sowie die vielen Probleme die Studierenden nicht abgeschreckt haben, sich selbst einen Eindruck vom Geschäft zu verschaffen. Positiv ist zu erwähnen, dass das Studentenwerk auf die Studierenden zugekommen ist und die Kommunikation gesucht hat. Die Bereitschaft, zuzuhören und an Problemen zu arbeiten, ist also da und das ist gut. Ob Herr Kettler auch in Zukunft seine Produkte vom Spar beziehen wird, ist unklar. Wir bleiben dran, wie sich die Situation am Campus entwickelt.