"Beleidigungen sind an der Tagesordnung"

BLICK Reportage Ordnungsamt-Außendienstler bei der Arbeit

Aue/ Bad Schlema. 

Aue/ Bad Schlema. Es ist ein ganz normaler Wochentag in der Erzgebirgsstadt. Falk Schulze und Michael Mußmacher befinden sich auf dem Weg zur Grund- und Oberschule Aue-Zelle. Die beiden sind zwei von insgesamt sieben Ordnungsamtsmitarbeitern im Außendienst, die im Zweischichtsystem von 7 bis 23 Uhr für die Stadt Aue-Bad Schlema unterwegs sind. "Unsere Aufgabe ist zum Beispiel die mehrfach wöchentliche Kontrolle des Schülerverkehrs vor den Schulen der Stadt", erzählt Falk Schulze. Der 36-Jährige aus Aue ist seit einem Jahr für das Ordnungsamt tätig. "Es wird des Öfteren auf dem Gehweg oder auch in zweiter Reihe auf der Straße geparkt. Das stellt sowohl eine Gefahr für die Kinder als auch für die anderen Verkehrsteilnehmer dar", erklärt er und ergänzt: "In der Regel reicht eine mündliche Belehrung. Es gibt allerdings auch die Ausnahmen, die uns gegenüber beleidigend werden."

 

Die erste Ordnungswidrigkeit an diesem Mittwochmorgen lässt nicht lang auf sich warten. Eine Autofahrerin will Geld an der Sparkasse holen und blockiert auf der Albert-Funk-Straße halbseitig die Zufahrt zum Schulhof der Grundschule. Nach einer kurzen Verwarnung zeigt sie sich allerdings einsichtig und parkt ihr Auto auf einem Parkplatz. Kurz vor Schulbeginn um 7:30 Uhr nimmt der Verkehr schließlich deutlich zu. "Heute Morgen haben sich allerdings viele korrekt verhalten", halten die Ordnungshüter bis hierhin erstaunt fest. "Das liegt aber vielleicht auch daran, dass die Autofahrer uns mit unseren Warnwesten wahrnehmen", lautet ihre Erklärung. Sie sind sich sicher, dass das Ganze ohne Kontrolle wesentlich anders ausgesehen hätte. Doch zu früh gefreut: bereits ein paar Minuten später parkt der Schülerverkehr auf dem Gehweg sowie entgegen der Fahrtrichtung. Falk Schulze dokumentiert das Geschehen mit einem Foto. "So können wir sowohl unsere Arbeit als auch die Verkehrsregelverstöße belegen. Die meisten Beschwerden stammen übrigens von den Verursachern, also den Eltern der Schüler, selbst", berichtet Michael Mußmacher. Laut dem 32-jährigen Auer, der seit sechs Jahren für das Ordnungsamt tätig ist, haben sich die regelmäßigen Kontrollen dennoch bewährt. "In den vergangenen Jahren gab es immer weniger Verstöße."

 

 

 

Anschließend geht es weiter in die Innenstadt, um dort Streife zu laufen. "Wir halten unter anderem Ausschau nach Schmierereien, Hundekot, Glasscherben, niedergetretenen Pflanzen, beklebten Verkehrszeichen, aufgehängten Plakaten, Fundtieren, Schrottautos, Beschädigungen jeglicher Art, Alkoholkonsum am Postplatz und der korrekten Absicherung von Baustellen", erklären die beiden. Sollte ihnen etwas auffallen, melden sie es an den Innendienst, der es an den Betriebshof weitergibt.

An der Bahnhofsstraße 5-7 werden sie schließlich fündig: zwei Autos, deren Parkuhr abgelaufen ist beziehungsweise gar nicht erst sichtbar hineingelegt wurde. Beim Ausschreiben des Verwarngeldes erscheint plötzlich die Besitzerin eines Fahrzeugs und entschuldigt sich für das Vergessen der Parkscheibe. Falk Schulze und Michael Mußmacher drücken in diesem Fall ein Auge zu und belassen es bei einer Verwarnung. Wenig später bemerken sie ein Fahrzeug auf dem Altmarkt, dessen Fahrzeughalter gerade etwas entlädt. Nach kurzer Rücksprache zeigt er ihnen eine Sondergenehmigung, um hier einen Infostand aufzustellen. "Es gibt nichts zu beanstanden", sagt Falk Schulze.

Plötzlich rasen zwei Autos mit hoher Geschwindigkeit über den Altmarkt, doch anhalten und zur Rede stellen können die beiden Ordnungshüter die Fahrzeugführer nicht: "Wir sind leider nur für den ruhenden Verkehr zuständig." Ansonsten war es bis dahin ein sehr ruhiger Morgen. "Ab Mittag gibt es in der Regel immer mehr zu tun", berichten sie. Das Schöne an diesem Beruf sei, dass jeder neue Tag anders ist. Eine Sache sei jedoch immer gleich: "Beleidigungen sind leider an der Tagesordnung. Doch dagegen haben wir mittlerweile ein dickes Fell entwickelt."