Jugendlicher rettet besondere DDR-Dachbalken

Rettung Engagement wird belohnt

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Marvin Müller ist stolz, die Balken in praktisch letzter Minute gerettet zu haben. Foto: A. Büchner

Limbach-Oberfrohna. Da war ein Foto von einem Festsaal einer alten, in Teilen kaum noch zu sanierenden Fabrik. Als Marvin Müller die Aufnahme vor etwa einem Jahr in die Hände bekam, war sein Interesse sofort riesig.

Holzbau hatte sich zur Straße geneigt

Der Jugendliche hatte sich bereits länger mit der Geschichte der einstigen Firma Hermann Dittrich, kurz "HeDi" befasst, hat bis heute Kontakt zu den Nachfahren des Erstbesitzers. "Damals hatte ich gerade für einen Text recherchiert und fragte mich beim Anblick der aufwändig gestalteten Dachbalken: Ob diese wohl noch erhalten sind?"

Wenige Wochen später musste aus Sicherheitsgründen ausgerechnet der Trakt der Fabrik abgetragen werden, der Holzbau hatte sich immer mehr zur Straße geneigt. "Im alten Festsaal gab es noch eine Bühne und ein weißes Klavier", hatte er herausgefunden. Zuletzt fand im Saal des Werks, das 1995 geschlossen wurde, eine Präsentation unter dem Titel "Der Handschuh im Wandel der Zeit" statt.

Hilfe vom Möbeltischler

Einen Kronleuchter hatte der junge Forscher gerettet, die Dachbalken waren zu DDR-Zeiten jedoch braun überstrichen worden, sodass man die ursprünglichen Aufschriften, die wohl von 1939 stammen, nicht mehr lesen konnte. Die vier Balken von jeweils fünf Metern Länge konnte Marvin während der Abrissphase retten, wie diese aber sanieren?

Hilfe kam von Möbeltischler Sebastian Dämmler, der in Sachen "Industriekultur-Ost" tätig ist. Nach dem Einkürzen für den Transport wurden von dem Zwickauer in mehreren Wochen Arbeit Aufschriften wie "Mehr tun, als die Pflicht befiehlt" freigelegt.

"Das ist mein Motto", so der Berufsschüler, der genau diesen Balken nun im Zimmer stehen hat. Die drei anderen möchte er langfristig dem Esche-Museum übergeben, für das er sich schon seit mehr als zwei Jahren engagiert. Auch dazu passt einer der Sprüche: "Viel leisten, mehr sein als scheinen."