Musiker der Erzgebirgischen Philharmonie Aue spielen aus den Fenstern des Kulturhauses

Philharmonie Ein Rathaus-Konzert der besonderen Art bei strahlendem Sonnenschein

Aue. 

Aue. Im Kulturhaus in Aue stehen die Fenster hofseitig weit offen und Musiker der Erzgebirgischen Philharmonie Aue legen ihre Instrumente an für ein ganz besonderes Konzert, das es so in der Form noch nicht gegeben hat. Das Fenster-Konzert, bei dem gestern 15 Musiker unter Leitung von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi unter anderen Werke von Georg Friedrich Händel und Ludwig van Beethoven gespielt haben und zum Abschluss der Steigermarsch zu hören war, ist eine Aktion der Stadt Aue-Bad Schlema und der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH gewesen.

Engagement wurde mit einer Einladung belohnt

Gemeinsam hat man 100 Leute eingeladen, die sich während der coronabedingten Ausnahmesituation in den vergangenen Monaten mit Ideen, Engagement und beherztem Handel gesellschaftlich eingebracht haben. Jutta Müller vom Heimatverein Wildbach saß im Publikum. Die 69-jährige ist eine von acht Frauen, die in Wildbach Mundschutzmasken genäht haben, in Summe 750 Stück. "Wir haben den Stoff zugeschnitten geliefert bekommen von der Auer Werkstube. Genauso auch den Gummizug und den Draht und wir haben dann die Masken genäht", erzählt Müller, die sich über die Konzerteinladung gefreut hat: "Es ist ein schönes Erlebnis, einmal etwas ganz anderes, da wir sonst weniger zu philharmonischen Konzerten gehen."

Ideenreichtum ist gefragt

Genäht hat auch Katharina Beier aus Wildbach: "Wir haben im Verein einfach die Notwenigkeit eingesehen, beim Nähen zu helfen. Wir haben uns reingeteilt. Jede von uns hat einen anderen Arbeitsschritt übernommen, wie in einer Näherei." Zum Konzert sagt 69-jährige: "Es ist eine schöne Anerkennung und es hat mir sehr gut gefallen." Das kleine, aber feine Konzert war gut vorbereitet. "Wir haben in den Tagen zuvor viel experimentiert, wie man mit dem größtmöglichen Abstand den bestmöglichen Publikumskontakt pflegen kann", erklärt der geschäftsführende Intendant Dr. Ingolf Huhn: "Bei so einem Konzert gehen eigentlich nur Blechblasinstrumente. Die Holzbläser gehen schon einmal unter, wie man sieht." Die Idee fürs Fenster-Konzert hat Lukas Grunert eingebracht, der im Orchester an der Pauke steht.

 

Der 30-jährige, der zum Orchester-Vorstand gehört, erzählt, wie es dazu kam: "Als sich in der Corona-Zeit der erste Schock etwas gelegt hat und die Lust zum Musizieren wieder kam, habe ich mit meinen Eltern gebrainstormt, was man so machen kann. Zu der Zeit musste zwischen den Musikern noch ein enormer Abstand gehalten werden, was sich allerdings nur auf einen Raum bezogen hat. Und da kam die Idee, in unterschiedlichen Räumen aus den Fenstern zu spielen. Es folgte ein Konzeptionsgespräch mit dem Intendanten. Es ist schön, dass die Idee jetzt umgesetzt wurde und es ein gutes Gefühl, wieder vor Publikum spielen zu können." Während des Konzertes ist ein Video entstanden, dass diese Woche über den Facebook- und Instagram-Account der Philharmonie veröffentlicht wird unter "Erzphilharmonie". Auf YouTube wird das Video unter dem Eduard-von-Winterstein-Theaters zu finden sein.