Schade! Schneeberger Buchhandlung schließt ihre Pforten

Aufgabe 178-jährige Unternehmenstradition in Schneeberg endet

Schneeberg. 

Schneeberg. Ende August ist unwiderruflich Schluss: Dann endet in Schneeberg eine 178-jährige Unternehmenstradition.

"Ich habe mir das nicht leicht gemacht"

Die Goedsche Buchhandlung am Markt schließt. "Es geht nicht mehr", sagt Ute Müller. Die 57-Jährige ist Inhaberin und bedauert den Schritt. "Ich habe mir das nicht leicht gemacht", beteuert sie. Doch die Zahlen geben es nicht länger her.

Schon 1841 eröffnete Bruno Friedrich Goedsche die Verlags-, Kunst- und Musikalienhandlung in Schneeberg. Es folgten Filialen in Eibenstock, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt - sie gibt es längst nicht mehr. Nur sechs bis acht Tage betrug die Lieferzeit. "Für damals beachtlich", so Müller. Heute klappt der Versand teils über Nacht. Nach Goedsches Tod übernahm seine Gattin Emilie 1875 die Geschäfte. Ihr folgten Karl Schmeil, Charlotte Leers, Ute Müllers Mutter Ursula. Der Laden - damals noch am Fürstenplatz 1 - zog 1994 um.

Das im Volksmund als Schmeilhaus bekannte Gebäude wurde von der Schmidt-Bank erworben. "Mitbieten war bei der Summe unmöglich", erinnert sich Ute Müller. Die Buchhandlung nebst Schreibwarensortiment zog an ihren jetzigen Standort ins Haus Markt 4 um. "1994 stieg ich ins Geschäft mit ein." Seit 2008 ist sie alleinige Chefin, organisierte Fahrten zur Buchmesse, Lesungen, ein Hoffest und auch die Einkaufsnacht maßgeblich mit. All das werde ihr fehlen, sagt sie - und atmet wieder tief durch. Derzeit gelten hohe Rabatte, um die Regale zu leeren. Gutscheine seien noch bis 31. August einlösbar. Der Trend zum Kauf via Internet, Großhändler mit Niedrigpreisen etwa bei Schreibwaren und die junge Generation unter 40, die eher elektronisch liest, seien das Paket, das zum Aus führte. Wie sie erfuhr, soll es im Laden vielleicht mit Büchern weitergehen.

Ein Mutter-Tochter-Gespann will ab 1. November sein Glück mit einer reinen Buchhandlung versuchen. "Hut ab", sagt Ute Müller dazu.