So gießt man eine Glocke!

Handwerk Großrückerswalde und Pobershau bekommen neues Geläut

Die Glockengießer füllen eine Form. Foto: Jan Görner

Innsbruck/Großrückerswalde/Pobershau. Gleich für zwei Kirchgemeinden hat die Firma Grassmayr in Innsbruck am Freitag je drei Glocken gegossen. Deshalb befanden sich unter den 150 Beobachtern des Gussvorgangs auch etwa 40 Vertreter aus Großrückerswalde und Pobershau. Etwa anderthalb Stunden hatte der Vorgang gedauert. "Das ist sehr gut gelaufen", war sich Peter Grassmayr sicher. Etwa 200 Glocken verlassen das Familienunternehmen jedes Jahr. Sie gehen in alle Welt. Das Handwerk selbst hat sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert.

Die Grassmayrs gießen Glocken schon seit 1599. Derzeit führt es die 14. Generation. Jede gab ihr Wissen an die nächste weiter. "Schon der technische Vorgang ist sehr interessant", sagte mit Lutz Reichel einer der Mitgereisten aus Pobershau. Er war dankbar, dass er den Guss miterleben durfte. Schließlich werden die Glocken viele Generationen überleben. Johannes Rösch aus Großrückerswalde meinte sogar, es sei ein Privileg das miterleben zu dürfen.

Als Symbol für das Leben

Vor dem Guss sprachen die anwesenden Pfarrer, für deren Gemeinden die Glocken bestimmt sind, Gebete. Auch das hat Tradition. "Manchmal sind hier katholische Priester, evangelische Pfarrer und orthodoxe Geistliche vertreten und beten gemeinsam", so Peter Grassmayr. Die Pfarrer der Gemeinden Großrückerswalde und Pobershau Andreas Lau und Burkhard Wagner sind vom Prozess des Glockengießens ebenfalls fasziniert gewesen.

"Er steht symbolisch für unser Leben, in dem wir auch nicht alles in der Hand haben", brachte das Andreas Lau auf den Punkt. Schließlich zeige sich erst später, ob der Guss gelungen ist oder nicht. "Das ist im Leben oft nicht anders", so der Großrückerswalder. In seiner Kirchgemeinde werden die neuen Kirchenglocken am 9. September geweiht und zur Kirchweih am 7. Oktober erstmals erklingen. In Pobershau findet die Weihe am 16. September statt. Dort läuten sie am Reformationstag das erste Mal.