Zweiter Heim GP der Ostdeutschen

MOTORSPORT Brno zog erneut Massen an

Brno / CZE. 

Brno / CZE. Mit dem 50. Motorrad-Grand-Prix im tschechischen Brno endete an diesem Wochenende die knapp vierwöchige Sommerpause der weltbesten Motorrad-Rennfahrer. 1965 machte der "Continental Circus" erstmals Station auf der Rennstrecke in der Landeshauptstadt Mährens. Damit ist der Masaryk-Ring die Strecke mit den zweitmeisten Grand Prix nach Assen. Lediglich zwischen 1983 und 1986 pausierte er im WM-Kalender wegen seiner Verlegung und des kompletten Neubaus westlich der Metropole sowie danach noch einmal 1992. Im Vergleich: auf dem alten und dem neuen Sachsenring gastierte die Motorrad-Weltmeisterschaft von 1961 bis 1972 sowie seit 1998 ohne Unterbrechung bisher insgesamt 34 Mal.

Brno bei ostdeutschen Rennfans beliebt wie eh und je

Auf Grund des idiotischen Selbstverzichts von Motorsportveranstaltungen mit westlichen Teilnehmern ab dem Jahr 1973 war Brno spätestens seit dem alljährlich ein regelrechter Pilgerort für Motorsportfans aus der einstigen DDR. Daran hat sich bis heute nicht allzu viel geändert, denn unter den insgesamt 186.793 Zuschauern (29.475 am Freitag, 72.193 am Samstag und 85.125 am Rennsonntag) war nach den allerorten gehörten Sprachen und Dialekten sowie gesehenen Kennzeichen geschätzt die Hälfte wieder aus den neuen Bundesländern angereist. Bereut dürften sie ihr Kommen erneut nicht haben, denn für den verregneten Trainingssamstag wurden sie am Rennsonntag mit gewohnt erstklassigem Motorsport entschädigt.

Magic Marquez

In der Top-Klasse MotoGP war erneut der inzwischen zehnfache Sachsenring-Sieger und -Rundenrekordhalter Marc Marquez das Maß der Dinge. Bereits im Qualifying sorgte der Spanier für hochgezogene Augenbrauen, als er auf abtrocknender Strecke in den letzten Minuten profillose Slick-Reifen aufziehen ließ und eine um zweieinhalb Sekunden schnellere Trainingszeit in den Asphalt brannte als der letztlich Zweitplatzierte Jack Miller aus Australien. Im wegen des einzigen Regenschauers am Sonntag verspätet gestarteten Rennen kontrollierte Marc Marquez das Geschehen von Beginn an von der Spitzenposition aus und gewann schließlich mit wiederum rund zweieinhalb Sekunden Vorsprung, diesmal allerdings nach 20 Rennrunden. Sein insgesamt 76. Grand-Prix-Sieg war gleichzeitig sein 50. in der MotoGP sowie sein 125. Podestplatz seiner WM-Karriere. Zweiter wurde der Italiener Andrea Dovizioso, gefolgt von Jack Miller. Hinter dem Spanier Alex Rins und dem Briten Cal Crutchlow wurde der 40-jährige Publikumsliebling Valentino Rossi Sechster und landete damit zum 300. Mal in der MotoGP in den Punkterängen. Für Marc Marquez' verletzten Teamkollegen Jorge Lorenzo kam der Bayer Stefan Bradl erneut im Honda-Werksteam zum Einsatz. Er beendete das Rennen auf dem letzten Punkterang 15.

Schrötter sorgte für bestes deutsches Ergebnis

Auch in der Klasse Moto2 war ein Deutscher mehr am Start als geplant. Nachdem der Malaysier Khairul Idham Pawi am Freitag feststellte, dass seine langwierige Fingerverletzung immer noch nicht zufriedenstellend verheilt war, nahm Jonas Folger, wie vor der Sommerpause in Barcelona, Assen und auf dem Sachsenring, dessen Platz ab Samstag im Team Petronas Sprinta Racing ein. Mit Rang 19 im Rennen verfehlte er allerdings wieder die Punkteränge. So auch der wiedergenesene Philipp Öttl als 23., wie Jonas Folger aus dem weiß-blauen Freistaat. Noch weniger Glück hatte Lukas Tulovic aus dem baden-württembergischen Eberbach. Er stürzte in der vierten Runde auf Platz 23 liegend. Besser schlug sich Marcel Schrötter, ebenfalls aus Bayern. Er wurde beim Sieg von Marc Marquez' jüngeren Bruder Alex Sechster. Die Klassenneulinge Fabio di Giannantonio und Enea Bastianini aus Italien belegten die Plätze zwei und drei.

Sächsisches PrüstelGP-Team ohne Fortune

Für das Rennen der Moto3 hatte sich das am Sachsenring beheimatete Team Redox PrüstelGP einiges vorgenommen. Mit den tschechischen Fahrern Jakub Kornfeil und Filip Salac empfand man den "Monster Energy Grand Prix Ceske Republiky" als zweites Heimrennen des Jahres, agierte allerdings glücklos. Dabei hatte man an das vorige Jahr noch gute Erinnerungen. Während Jakub Kornfeil vor Jahresfrist als Dritter auf dem Podest stand, debütierte Filip Salac als Wild-Card-Fahrer in der WM, damals noch für ein anderes Team. Mit den Startplätzen 14 (Salac) und 20 (Kornfeil) hatte man schon in der Regenlotterie am Samstag nicht gerade die ganz großen Lose gezogen. Im Rennen stürzte Filip Salac bereits in der ersten Runde, fuhr dem Feld als Letzter hinterher und gab schließlich auf.

Auch Jakub Kornfeil, mit 26 Jahren der Senior in der Nachwuchsklasse, agierte zu Beginn weit hinten und beendete seine tolle Aufholjagd immerhin auf Rang neun. Der Sieg ging auch hierbei an einen Spanier, und zwar an Aron Canet aus dem Team des mehrfachen Ex-Weltmeisters (Grand Prix und Superbike) Max Biaggi und Philipp Öttls Vater Peter, der früher selbst in der WM aktiv war. Die Italiener Lorenzo Dalla Porta und Tony Arbolino okkupierten die anderen beiden Plätze auf dem Podium.