Viele Kinder und Jugendliche nutzen Angebot zum Tag des Buches

INTERVIEW mit dem Werdauer Bibliotheksleiter Philipp Maaß

Werdau. 

Werdau. Die Stadtbibliothek in Werdau bereitet eine Veranstaltung zum Tag des Buches vor und kann in diesem Jahr rund 28.000 Euro für die Anschaffung von neuen Medien ausgeben. BLICK-Reporter Holger Frenzel sprach mit Leiter Philipp Maaß über das Angebot.

 

Sie bereiten eine Rallye für Kinder zum Tag des Buches vor. Was ist genau geplant?

Wir werden gemeinsam mit der Firma Rohleder und dem Stadt- und Dampfmaschinenmuseum am 23. April zum Welttag des Buches eine Bücher-Rallye veranstalten. Dabei sollen die Kinder alle drei Orte besuchen, Rätsel lösen und die Lösung dann am Ende einreichen. Unter allen Teilnehmern verlosen wir attraktive Preise, jedes teilnehmende Kind erhält auf jeden Fall ein Buch. Das ist uns wichtig, damit alle Kinder an diesem Tag einen positiven Bezug zum Buch bekommen.

Wie viele Leseratten nutzen das Angebot der Bibliothek. Welche Altersgruppe ist am stärksten vertreten?

Insgesamt nutzen 440 Kinder und Jugendliche aus Werdau die Stadtbibliothek. Die stärkste Gruppe sind die Schulanfänger. Das liegt daran, dass wir mit den Grundschulen sehr gut kooperieren und alle Eltern bereits vor dem Bibliotheksbesuch über die Schulen per Brief benachrichtigen. Wir weisen auf das Angebot der Stadtbibliothek hin und ermutigen die Eltern, für die Kinder einen Bibliotheksausweis zu beantragen.

Nach welchen Gesichtspunkten wählen sie neue Medien aus? Wie viel Geld steht für die Anschaffung zur Verfügung?

Wir kaufen nur aktuelle Bücher. Im Bereich Belletristik ist das Cover, also die Abbildung auf der Front des Buches - sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen - entscheidend. Bücher mit ansprechenden Titeln werden sowohl im Buchhandel besser verkauft als auch bei uns besser ausgeliehen. Im Bereich Lernhilfen und Sachbuch sind die Inhalte am Wichtigsten, hier versuchen wir durch Marktsichtung und Kooperation mit dem Buchhandel und der Einkaufszentrale für Bibliotheken sowie durch das Internet und im Gespräch, Trends und Themen für unsere Leser aufzuspüren, die sie interessieren und begeistern. Im Haushalt stehen 28.000 Euro für die Medienanschaffung zur Verfügung. Daraus finanzieren wir Bilderbücher, Erstlesebücher, Bücherkisten für Kitas und Schulen, Bilderbuchkinos, Comics wie Asterix und die Abrafaxe, Spiele, Romane für Kinder und Erwachsene, Sachbücher, Mangas, die Spiegel-Bestseller, Hörbücher, DVDs und auch ein paar Videospiele (Nintendo 3DS und WiiU).

Welche Bücher gehören momentan zu den Rennern?

Im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur ist der Trend zu Minecraft und Lego ungebrochen. Das freut uns sehr, da wir dadurch insbesondere Jungs für Bücher interessieren können. Später sind dann Bücher zum Experimentieren und Comics angesagt. Junge Mädchen mögen Pferde, Einhörner und Feen, später dann Warrior Cats, Mangas und Dystopien. Im Bereich Sachbuch finden wir Politik und Wirtschaft ganz vorne, daneben alles zum Thema Körper, Gesundheit und Fitness sowie biografisch gefärbte Ratgeberliteratur zur Lebensveränderung und Psychologie. Im Bereich Belletristik sind die Titel von Rita Falk (Kaiserschmarrndrama) oder Donna Douglas (Nightingale Schwestern) sehr populär.

Sie waren auf der Leipziger Buchmesse: Mit welchen Eindrücken und vor allem welchen Ideen für die Stadtbibliothek sind Sie zurückgekommen?

Vor der Buchmesse findet regelmäßig ein Kongress aller Bibliothekare aus ganz Deutschland statt. Es ging um öffentliche Räume und Debatten, Demokratie und Bürgerdialog und das hat sich auch auf der Buchmesse fortgesetzt. Man hat das Gefühl, es gibt einen großen Redebedarf in unserer Gesellschaft und die Bibliotheken sollten ihre Räumlichkeiten dafür öffnen. Allgemein habe ich bei kleinen Verlagen das meiste Innovationspotential gesehen: Tolle Illustrationen, innovative Einbände? also Bücher mit Herz gemacht.