78 Meter langer Schwertransport rollt durch Plauen

Stahlbau Drei riesige Brückenteile fahren vom Vogtland an den Rhein

Plauen. 

Plauen. Peter Völkner und Gerald Eckersberg wirken nicht sonderlich angespannt. Dabei managen die beiden Geschäftsführer in diesen Tagen ein Auftragsvolumen von 100 Millionen Euro. Insgesamt hat die Plauen Stahl Technologie GmbH (PST) sogar Bestellungen im Wert von 200 Millionen Euro vorliegen. Und dann hielt in dieser Woche erneut ein 78 Meter langer Schwertransport die Spitzenstadt in Atem. Der frühere Stahlbau hat endlich sein Antlitz wieder. In der Branche gilt der Standort als Schwergewicht. Das war früher - zu DDR-Zeiten - auch schon so. Der BLICK wird demnächst näher auf das Unternehmen und die 250 Mitarbeiter vor Ort eingehen. Denn in diesen Tagen ist erst einmal der neue Normalitäts-Gigantismus Gesprächsthema Nummer eins. Fotos von diesem Nadelöhrwahnsinn gibt es in diesem Beitrag in unserer Galerie.

Ein Bauteil wiegt 170 Tonnen!

Der BLICK-Reporter stand mit offenem Mund vor dieser "Eisensau". Auf dem Betriebshof stand ein 78 Meter langer Schwertransport. Sofort schoss einem diese Frage durch den Kopf: Wo soll der lang fahren? Peter Völkner schmunzelt. "Wir haben hier eine Mannschaft, die genau berechnen kann, was unter allen geforderten Sicherheitsregeln möglich ist. Heute senden wir den zweiten Transport auf die Reise. Teil 1 ist bereits vor Ort." Rückblick: Die PST erhielt den Auftrag im September 2019. Der Ersatzneubau für eine Straßenbrücke in Nordrhein-Westfalen aus den 1940er Jahren gehört zu den aktuellen Highlights im spannenden Unternehmensalltag. PST-Pressesprecherin Aileen Sammler übermittelt die technischen Daten: "Der Auftrag umfasst drei Brückenbauteile mit je knapp 64 Meter Länge und 170 Tonnen Gewicht. Das sind die größten jemals bei PST gefertigten Brückenbau-Einzelteile." Wow! Was die Plauener alles können. Aber wie gelangt ein insgesamt 78 Meter langer Schwertransport von Plauen an den Rhein? Sowas geht doch nicht, oder?

Stahlbaubranche spricht mit Respekt vom Standort Plauen

Peter Völkner und Gerald Eckersberg sprechen voller Hochachtung von ihren Mitarbeitern. Denn die PST-Belegschaft hat drei Riesenstahlbau-Unikate hochpräzise als Drillinge zur Welt gebracht. "Die Fertigung in unserem Werk in Plauen ist abschlossen. Wir sind sehr stolz, dass wir für ein solches Projekt fertigen durften und haben alle Maßnahmen ergriffen, dass das Brückenbauteil erfolgreich transportiert werden kann. Unsere Mitarbeiter haben eine tolle Arbeit geleistet." Das erste Brückenbauteil wurde am 11. Mai abgeholt. Es war fast eine Woche auf Reise. Was in solch einem Fall besonders ist: Ein Schwerlasttransport dieser Art dauert fünf bis sieben Tage. Statt der normalen Strecke von 500 Kilometer bis zur Baustelle muss der Schwerlast-Transporter 1.200 Kilometer zurück zu legen, da der LKW nur auf den dafür zugelassenen Straßen fahren darf und die Fahrer streng vorgegebene Fahrzeiten einhalten müssen. Ins rollen gebracht hat ein LKW-Doppelpack das Bauteil. Die Zug- und Schubmaschine bringen es auf insgesamt 1.600 PS! Am Mittwochabend ging der Megatransport auf die Reise.

Endmontage erfolgt im Juni

Die Endmontage erfolgt in einer sogenannten "Sperrpause" an einem Wochenende im Juni, an dem die Bundesstraße gesperrt wird. Im Anschluss haben die Plauener vor Ort vier Wochen Zeit, die eingehobenen Brückenbauteile zu verbinden und den Korrosionsschutz anzubringen. Dann erst hat die PST alle Leistungen erbracht. Im Anschluss wird noch die Fahrbahnplatte aufgebracht, bevor die neue Brücke im Sommer befahren werden und die alte Brücke abgerissen werden kann. Übrigens sucht die Plauen Stahl Technologie derzeit vom ganz normalen Produktionsarbeiter über Teilqualifizierte bis hin zum Fachpersonal Leute.

Zahlen, Daten, Fakten zu PST

Hallenfläche: ca. 36.000 m²

Montageplatz: ca. 10.000 m²

Jahreskapazität: ca. 20.000 t

Investitionsvolumen: ca. 30 Mio. € in den letzten 10 Jahren

Jährliche Leistung/Umsatz: 40 Mio. €

Aktueller Auftragseingang seit Januar: ca. 100 Mio. € (200 Mio. € Auftragsbestand)

Mitarbeiter am Standort Plauen: ca. 250 inklusive 20 Auszubildende (davon sind ca. 80 Leiharbeiter bzw. Mitarbeiter mit Werksverträgen)

Internet www.plauen-stahl.de