Bonpflicht: Papierwahnsinn droht

Finanzamt Viele Unternehmen stellen Antrag auf Befreiung

Plauen. 

Plauen. Es droht ein Papierwahnsinn. Seit 1. Januar gilt in der Bundesrepublik die Kassenbonpflicht. Per "Antrag auf Befreiung" haben sich viele Mini-Unternehmen erst mal gerettet. Die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas (CDU) stellt dazu ausdrücklich fest: "Um unnötige Belastungen bei der neuen Belegausgabepflicht zu vermeiden, können bestimmte Unternehmen eine Ausnahmeregelung nutzen und eine Befreiung beim Finanzamt beantragen."

Ausnahmeregel soll Kleinunternehmen entlasten

Im Vogtland existieren besonders viele kleine Betriebe, die durch einen unverhältnismäßig großen Bürokratieaufwand noch zusätzlich geschwächt würden. Yvonne Magwas empfiehlt nachdrücklich, sich von dieser Pflicht befreien zu lassen: "Um die Unternehmen bei der Abgabenordnung zu entlasten, haben wir uns für eine Ausnahmeregelung eingesetzt. Eine kleine Bäckerei kann beispielsweise zu Stoßzeiten nicht bewerkstelligen, jedem Kunden automatisch einen Kassenzettel auszudrucken. Ein Unding wäre es auch für Händler, die mit ihrem Stand auf großen Volksfesten stehen", betont die Politikerin und fügt hinzu: "Im Allgemeinen ist die Protokollierung der Daten im Handel aber wichtig, um eine lückenlose Aufzeichnung zu gewährleisten und Steuerbetrug zu verhindern."

Steuergerichtigkeit beabsichtigt

Das Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen vom 22. Dezember 2016, auch "Kassengesetz" genannt, führt zum 1. Januar die Pflicht zur Ausgabe von Belegen ein. Dieser kann elektronisch oder in Papierform ausgestellt werden. Das Erstellen des Belegs muss unmittelbar mit dem Geschäftsvorgang erfolgen. Ziel des Gesetzes ist mehr Steuergerechtigkeit. Wie das in der Praxis dann aussieht, wird sich während der aktuellen Übergangsphase bis Ende 2022 herausstellen.

Noch halten sich die kleinen Geschäftsleute mit Aussagen zurück. Ulrike Brückner zum Beispiel führt eines der traditionsreichsten Geschäfte der Spitzenstadt. Ihre Hubertus-Drogerie in der Lettestraße hatte einst Oskar Wickel im Jahr 1886 eröffnet. Dort kann man noch eine Kasse Baujahr 1912 als Ausstellungsstück bestaunen. Der Tante-Emma-Laden in der Ostvorstadt ist einfach genial. Vom Drogerieartikel über Schreibwaren, von Kunstgewerbe bis Tierfutter, von der Wohnzimmerdeko bis zu Backwaren und Getränken hat diese Drogerie quasi alles. Auch Zeitungen gibt es in der GLS-Paketannahme- und Ausgabestelle.

Unternehmerin fürchtet Belastung für Kleinunternehmen

Frau Brückner bont schon lange alles vorbildlich ein. "Ein neues Kassensystem werde ich mir aber nicht mehr zulegen. Ich werde nächstes Jahr in Rente gehen. Einen Nachfolger gibt es nicht", kündigt die Unternehmerin an. Die Belegausgabepflicht soll die Transparenz stärken und gegen Steuerbetrug helfen. "Das finde ich gut. Allerdings kämpft der stationäre Handel so schon ums Überleben, weil die Internetanbieter vieles preiswerter hinbekommen. Dieser Schiefstand hat bereits für viele Schließungen gesorgt", stellt Ulrike Brückner fest. Um die Unternehmen nicht unnötig zu belasten, können sich Betroffene nach Paragraph 148 der Abgabenordnung von der Belegausgabepflicht befreien lassen.