Der Profifußball steht in der Kritik!

Generalkritik André Rabe wendet sich im Namen von 78 Vereinen an den DFB

Plauen. 

Plauen. Generalkritik am Deutschen Fußballbund zu üben. Das galt vor geraumer Zeit als Majestätsbeleidigung. Doch André Rabe hat nach seiner Revolte von vergangenem Montag soviel Rückenwind bekommen von den kleinen Vereinen, dass er am heutigen Mittwoch nachgelegt hat. Auf seiner privaten Facebookseite bedankt sich der Geschäftsführer des Vogtländischen Fußballverbandes (VFV) bei allen, die ihm den Rücken stärken.

Ausgangspunkt war das "Gejammer" beim Deutschen Fußballverband, weil dem reichsten und größten Verband der Welt wegen der Corona-Pandemie 50 Millionen Euro durch die Lappen gehen. Synchron dazu drohen bundesweit hunderte kleine Fußballvereine vor die Hunde zu gehen. Dem VFV-Geschäftsführer platzte am Montag der Kragen. "Schämt euch!", diktierte André Rabe am BLICK-Telefon und der Plauener erreichte tatsächlich sein Ziel!

Beim DFB hat man den BLICK-Beitrag wahrgenommen

In einer Videobotschaft teilt der VFV-Geschäftsführer mit: "Der Beitrag kam in Frankfurt am Main in der DFB-Zentrale an. Mich hat deshalb der Präsident des Sächsischen Fußballverbandes, Hermann Winkler, angerufen. Er ist mit unserer Kritik einverstanden und hat gegenüber dem DFB kundgetan, dass man dort die Meinung der Basis durchaus aushalten muss."

Angekündigt wurde zugleich ein Anruf aus Frankfurt am Main beim VFV-Geschäftführer. Doch André Rabe wartet seither vergeblich. In seiner Videobotschaft informiert der Vogtländer die 78 im VFV organisierten Vereine: "Natürlich hat sich niemand gemeldet. Das wird dort ausgesessen. Nach dem Motto: Was interessieren uns Nachrichten von gestern."

Wenn Millionäre auf Geld verzichten, ist das für mich normal

Stein des Anstoßes war ein Interview von DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge, der den 25.000 Vereinen in Deutschland quasi gleich zu Beginn dieser schweren Krise mitteilte, dass es keine Unterstützung vom DFB geben wird. Und zwar weil es wirtschaftlich und rechtlich nicht ginge. André Rabe sagt: "Beides stimmt nicht. Der DFB müsste das vorhandene Geld nur an die Landesverbände ausreichen. Er will die Basis aber nicht unterstützen."

Besonders stört sich André Rabe an dem Umstand, dass es derzeit um Existenzen von Vereinen geht, weil deren Sponsoren als mittelständische und Kleinunternehmen selbst in Notlage geraten sind. "Jetzt sind die wichtig, die Deutschland am Laufen halten. Es geht um diese Menschen, die sonst mit 1.300 Euro netto hinkommen müssen und jetzt noch 40 Prozent davon wegen Kurzarbeit einbüßen. Wenn Profifußballer, von denen manche eine Million Euro pro Jahr verdienen, auf Geld verzichten, dann ist das für mich selbstverständlich!"

Der Leistungsfußball muss wieder zur Normalität finden

In den Fußballclubs klagen die Verantwortlichen immer wieder über abgehobene Spitzenfunktionäre und realitätsfremde Bundesligaprofis. André Rabe bringt zum Abschluss seine Erkenntnis klar zum Ausdruck: "Das was der Fußball heute ist, hat er sich in den letzten 20 Jahren heran gezüchtet. Vielleicht hat diese Pandemie auch etwas Gutes. Vielleicht geht die Spitze des Leistungsfußball endlich ein paar Stufen nach unten und lässt endlich wieder Vernunft walten."

Schon lange stehen die horrenden Summen an Ablöse und Spielergehältern an der Basis in der Kritik. André Rabe glaubt: "Würden in den ersten drei Ligen nicht solche riesigen Summen gezahlt, dann würde das nach unten durchbrechen." Gemeint ist damit die Pleitewelle in Regionalliga, Oberliga und Landesliga, wo sich die Vereine immer wieder übernehmen, weil sie einfach viel zu viel Geld für Spieler bezahlen. Das wiederum hat zur Folge, dass heutzutage sogar ganz normale Hobbyfußballer in den Ligen darunter Geld bekommen.

"Gäbe es die kleinen Vereine nicht, gäbe es keinen DFB"

Richtung DFB sendet André Rabe abschließend folgende Worte: "Gäbe es die kleinen Vereine nicht, dann gäbe es keinen Vogtländischen und keinen Sächsischen Fußballverband. Und erst recht keinen DFB. Ich hoffe, dass jetzt viele Verbände und Vereine an den DFB herantreten und ihm sagen: Liebe Freunde, so geht es nicht weiter. Es geht nur von unten nach oben, nicht andersherum." André Rabe will kämpfen für seine 78 Vereine im Vogtland. Er sucht in anderen Regionen Mitstreiter. Für den Fall, dass auch der Deutsche Fußballbund mitliest: Die Telefonnummer von André Rabe lautet 0171-2079887.