Die vogtländischen Gastronomen klagen an

Coronakrise Warum vertraut die Politik dem Hotel- und Gaststättengewerbe nicht?

Plauen. 

Plauen. 30 Gastronomiebetriebe haben am Freitag stellvertretend für alle Wirtsleute im Vogtland protestiert. Die bundesweite Aktion "Leere Stühle" soll den Gaststätten endlich mehr Gehör verschaffen. Seit fünf Wochen haben sämtliche Restaurants in der Region geschlossen. "Wir können nicht mehr. Weitere fünf Wochen halten wir nicht durch!" So sagen es die Wirtsleute, von denen manche bereits spürbar an der nervlichen Belastungsgrenze angekommen sind. Es geht im Vogtland übrigens nicht nur um die Existenz einzelner Gewerbetreibender. Wegen des ohnehin schon enormen Gaststättensterbens auf dem Lande, schwächt jede weitere Schließung den Tourismus. Auswärtige Gäste beklagen sich längst über die schwindende gastronomische Infrastruktur in der Fläche. Hunderte Arbeitsplätze sind demnach in Gefahr!

 

Die Fragen der Gastwirte tun der ganzen Gesellschaft weh

 

Den Vorwurf der Gastronomen fasste Steffen Manthey so zusammen: "Uns hört keiner. Dabei sind es ausgerechnet wir, die für eine ländliche Region wichtig sind. Ohne Lokal kannst Du den Tourismus vergessen. Jetzt zeigt sich unser Stellenwert. Autos und Flugzeuge sind wichtiger als Lokale und Hotelbetriebe." Auf dem Plauener Altmarkt war die Luft ziemlich explosiv. Der Fragenkatalog dürfte tut unserer ganzen Gesellschaft weh. Immer wieder wollten die Unternehmer wissen: Was nützen mir sieben Prozent Mehrwertsteuer ab Juni, wenn ich bis dahin kaputt gegangen bin? Weshalb werden über den Autokonzernen und Fluggesellschaften Rettungsschirme gespannt? Warum hat unser Land kein Vertrauen in die Gastronomie? Wer kann denn am besten mit Hygienevorschriften umgehen? Steffen Manthey erwartet Antworten. Und zwar schnell. Der 50-Jährige betreibt den Bayrischen Hof in Grünbach und in Schönbrunn bei Reichenbach das "Goldene Herz". Auf insgesamt 310 Sitzplätze bringt es dieser Gastronom in den genannten Lokalen. "Weshalb wir nicht öffnen dürfen, das versteht kein Mensch", schimpft Steffen Manthey, dem nicht nur sämtliche Tages- und Hotelgäste weggebrochen sind, sondern auch komplett alle Feierlichkeiten.

Die Senkung der Mehrwertsteuer ist zu wenig

Zwar wurde die Mehrwertsteuer für ein Jahr von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Das jedoch ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Manuel Bendig ist Großgastronom. Der Plauener betreibt die Gastrofabrik mit Eventservice und er beschäftigt in vier Lokalen (Uluru, Zweibar, Number One Freizeitcenter, Stadtstrand) insgesamt 42 Mitarbeiter. Den bisherigen Verlust beziffert Manuel Bendig so: "Wir liegen längst im sechsstelligen Bereich. Ich bin fassungslos, was in unserem Land gerade abläuft." Aktionsorganisator Enrico Todt vom "Holzfäller" in Mehltheuer schießt derzeit verbal ganz scharf auf alle Politiker: "Wir haben in unseren Räumlichkeiten Hausrecht und sogar Biergärten. Wie kann es sein, dass unsere Politiker mir nicht zutrauen, dass ich die Abstandsregelungen hinbekomme? Ich behaupte sogar, dass wir Gastronomen das viel besser können, als mancher Einzelhändler!"

 

Vogtländische Spitzenpolitiker waren vor Ort

 

Bemerkenswert: Obwohl sie nicht eingeladen waren, stellten sich die Landtagsabgeordneten Gerhard Liebscher (Bündnis 90/Die Grünen) und Stephan Hösl (CDU) an die Seite der Gastronomen. Sie versprachen, in Dresden Druck zu machen. Auch der Plauener Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer und Wirtschaftsförderer Eckhard Sorger zeigten Präsenz. Landrat Rolf Keil trat in Doppelfunktion in Erscheinung: "Ich bin zugleich Vorsitzender des Vogtländischen Tourismusverbandes. Die Schließung unserer Gastronomie tut allen hier versammelten Personen weh." Landrat Rolf Keil sagte den anwesenden Protest-Teilnehmern Unterstützung zu, bat aber gleichzeitig um Verständnis zu den beschlossenen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem Corona-Virus. Die Kommunalpolitik wisse sehr wohl, wie wichtig die Gastronomie für den Tourismus und die Freizeitwirtschaft ist. Nadine Hahn vom Hotel- und Gaststättenverband Sachsen fordert im Namen von DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Axel Klein: "Von der Landesregierung erwartet der Branchenverband jetzt einen Rettungsfonds für den Mittelstand!"