"Ein Geschenk, so etwas erleben zu dürfen"

Wende Waldpark-Chef Joachim Otto feiert 60. Geburtstag und blickt zurück

Auerbach/Grünheide. 

Auerbach/Grünheide. In der Region ist Joachim Otto bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt auch daran, dass der CDU-Kommunalpolitiker seit vielen Jahren im Stadt- und Kreisrat mitmischt. Weil sein Herz schon immer für den Handel schlägt, wurde der Auerbacher voriges Jahr zum Präsident des Handelsverbandes Sachsen gewählt. Als Vizepräsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft macht der Ehrenbürger der Stadt Auerbach auch keine schlechte Figur. So ganz nebenbei ist dieser Mann noch hauptamtlich Geschäftsführer vom Waldpark Grünheide.

30 Jahre in beiden Regimen

Gestern feierte er seinen 60. Geburtstag. Rückblickend ist ihm bewusst, dass die Wende im Herbst 1989 ihm viele neue Möglichkeiten für sein Leben eröffnete. Jeweils 30 Jahre in beiden Systemen haben Spuren hinterlassen. Als die Kerzen der friedlichen Revolution den Weg in die Freiheit ebneten, arbeitete der Musikpädagoge als Drogist im Geschäft seiner Eltern.

Enteignungswelle hautnah miterlebt

Obwohl er bei einer der Demos eine Rede hielt, sieht sich der Waldpark-Chef rückblickend nicht als Bürgerrechtler aus der ersten Reihe. "Ich wollte in meiner Heimat im Sinne einer liberal-wirtschaftlichen Gesellschaft etwas bewirken." Diese Prägung habe er von zuhause mitbekommen. Als Jugendlicher erlebte Otto die Enteignungswelle Anfang der 1970er Jahre in der DDR hautnah im Geschäft der Eltern mit. Der schleichende wirtschaftliche Niedergang im Lande sei ihm nicht entgangen.

Keine Doktorarbeit ohne Parteimitgliedschaft

Die Musik half ihm, so manche Schranken im Arbeiter- und Bauernstaat zu überwinden. Schon als Teenager spielte der Tausendsassa verschiedene Instrumente. Als er später an der Musikhochschule promovieren will, schiebt die SED dem Ganzen einen Riegel vor. Ohne Mitgliedschaft in der Sozialistischen Einheits-Partei keine Doktorarbeit. Die Arbeit als Musiklehrer in Auerbach machte ihm dennoch viel Spaß.

Rückblick mit gewisser Demut

Zwei Jahre vor der Wende begann Otto dann eine Drogisten-Ausbildung. Genauso wie sein Vater Karl trat der Junior in die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) ein. Nach den ersten freien Wahlen im Mai 1990 zog der engagierte Vogtländer mit einer gemeinsamen FDP/CDU -Fraktion in den Auerbacher Stadtrat ein. Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall denkt der Jubilar auch mit einer gewissen Demut an die Ereignisse zurück. "Für mich war es ein Geschenk, so etwas erleben zu dürfen."