Mit 15 schon Mama: Wie ist das?

Projekt Mobile Jugendarbeit arbeitet an Dittes-Oberschule mit Babysimulatoren

Plauen. 

Plauen. Vanessa Descher ist am Montag Mama geworden. Die 15-Jährige sitzt seither mit ihrem Baby im Klassenzimmer an der Dittes-Oberschule in Plauen. Papa ist Kevin Forkel. Die beiden Schüler gehören in die 9a. Und dort erlebt eine ganze Gruppe von Teenagern nun wie es ist, wenn man schlagartig erwachsen sein muss.

Die Schocktherapie hilft. "Auch wenn es nur eine elektronische Puppe ist. So hat sie mir gezeigt, was es überhaupt bedeutet Mama zu sein. Ich möchte ein Kind. Aber erst dann, wenn ich bereit bin", stellte Vanessa diesen Mittwoch im Gespräch mit dem BLICK-Reporter fest.

Alles rund um das Thema Liebe

Melanie Hechler und Alisa Schaarschmidt gehören zum Team der Mobilen Jugendarbeit und sind in der Schulsozialarbeit der Dittes-Oberschule tätig. Das Projekt zum Thema "Problem Liebe?!" hat im Haus eingeschlagen wie eine Bombe. Die Neuntklässler sind aufmerksam und arbeiten ganz aktiv mit. Alisa Schaarschmidt aus Plauen ist Pädagogikstudentin an der TU Chemnitz: "Es geht um das Thema Liebe, um die Beziehung, um das erste Mal bis hin zu Gewalterfahrungen in der Beziehung und der Selbstverteidigung."

Die 24-Jährige macht es spannend: "Wir haben mehrere Netzwerkpartner involviert. Zum Beispiel eine Familienhebamme, die Opferhilfe Sachsen e.V. und den Verein Weissenberg e.V., der das Männerschutzhaus betreibt. Wir stellen die Frauen- und Kinderschutzwohnung Auerbach und das EWTO Plauen vor."

Das "Baby" schreit auch mal drei Stunden am Stück

Die Schülerinnen simulieren in echt das Leben als Teenie-Eltern mit ganz modernen Babysimulatoren. "Gestern hat das Baby drei Stunden am Stück geschrieen. Es schreit auch in der Nacht - und ich muss ständig aufpassen", berichtet Vanessa. Die hochkomplexen "Babys" sorgen mit diesem Elternpraktikum auf Zeit dafür, dass die Jugendlichen der Realität näher kommen. "Mit allen Aufgaben, die dazugehören. Also wickeln und füttern und das wirklich Tag und Nacht", ergänzt Melanie Hechler.

Was den Schulsozialarbeitern aus Plauen am Herzen liegt, das wird ganz viele Menschen freuen: "Die Dittes-Oberschule kämpft um ihren Fortbestand, weil die Anmeldezahlen zu gering sind. Wir können nur allen Eltern sagen: Diese Schule ist klasse und modern, hier seid ihr gut aufgehoben. Es ist eigentlich ein Unding, dass dieses Haus Probleme hat. Hier wird man mit offenen Armen empfangen!"